Joe Biden
Joe Biden Foto: Gage Skidmore / CC BY-SA 2.0 (via Flickr)
 2-3 Minuten Lesezeit  503 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Drei Tage bedeuten in der amerikanischen Politik eine halbe Ewigkeit. Den Beweis dafür trat nun Joe Biden bei den Vorwahlen der Demokraten an. Innerhalb dieses Zeitraums gelang ihm das politische Wunder des Jahrhunderts. Der politisch totgesagte Kandidat erwachte in South Carolina zu neuem Leben, überzeugte andere Zentristen, aus dem Rennen zu steigen und versammelte am Super-Dienstag die Moderaten der Partei hinter sich. All das gelang Biden ohne Geld und Wahlkampf-Organisation vor Ort und trotz eines Milliardärs, der, mit beidem gesegnet, im selben Teich von Wählern der Mitte fischte.

Schon vor der Corona-Krise ist die Zahl der Insolvenzen in der Metall- und Elektroindustrie deutlich gestiegen
Foto: Hendrik / CC0 (via Pixabay)

Metall-Arbeitgeber warnen vor Aufstockung des Kurzarbeitergeldes

Dass Michael Bloomberg nach seinem enttäuschenden Abschneiden unmittelbar die Konsequenzen zog und nun den ehemaligen Vizepräsidenten unterstützt, hat die Dynamik der Vorwahlen grundlegend verändert. Der eben schon Totgesagte gilt nun als Favorit, den der bisherige Spitzenreiter Bernie Sanders nur noch mit Mühe an einem Durchmarsch hindern wird. Wie es zu diesem Wunder kommen konnte, werden Experten noch lange Zeit zu ergründen versuchen. Denn nach allen Gesetzen amerikanischer Wahlkämpfe gelang Biden etwas, das eigentlich nicht ging. Noch nie hat ein Kandidat ein solches Comeback geschafft, der bei den ersten Vorwahlen von Iowa und New Hampshire nicht auf einem den ersten drei Plätze landete. Kein Bewerber hatte so wenig Geld wie Biden und so wenig Unterstützung an den Graswurzeln der Partei. Er ist ein lausiger Wahlkämpfer, der sich ständig verplappert, und alles andere als ein mitreißender Redner. Die naheliegende Erklärung für das wundersame "Joe-Momentum", das Biden am Super-Dienstag in Orkanstärke nach vorn trieb, hat mit der Alternative zu tun. Die Aussicht, den linken Rebellen Bernie Sanders nicht mehr stoppen zu können, löste im Lager der Zentristen regelrechte Panik aus. Diese fürchteten, ein demokratischer Sozialist an der Spitze der Partei werde nicht nur Donald Trump eine weitere Amtszeit bescheren, sondern die Demokraten auch die Mehrheit im Kongress kosten.

Die Moderaten lernten von den Fehlern des Establishments der Republikaner, das es vor vier Jahren versäumte, einen radikalen Außenseiter zu stoppen, als es noch möglich war. Stattdessen spalteten die traditionellen Konservativen ihre Stimmen auf. Das ebnete dem Rechtspopulisten Trump den Weg zur Macht und hat die Republikaner heute bis zur Unkenntlichkeit verändert. Biden profitierte von der Bereitschaft seiner moderaten Konkurrenten Pete Buttigieg und Amy Klobuchar, persönlichen Ehrgeiz hinter dem größeren Ziel zurückzustellen. Das ermöglichte anderen Abgeordneten, Senatoren, Gouverneuren und lokalen Größen der Demokraten, die Wagenburg zusammenzuziehen. Die Partei will nicht riskieren, mit radikalen Versprechen zu verlieren, sondern sucht nach einem, der den Radikalen aus dem Weißen Haus vertreibt. "Onkel Joe" steht für die Rückkehr zur Normalität.

Seine Gefühligkeit bietet einen klaren Kontrast zu der Eiseskälte, mit der Trump regiert. Biden hat mit allen seinen Schwächen das Image einer "ehrlichen Haut", die nicht verschiedener sein könnte als der blondierte Dauerlügner. Drei Tage nach der Auferstehung Bidens wird nun der Abgesang auf den bisherigen Favoriten angestimmt. Und tatsächlich könnte es nun Sanders sein, für den es früh zu spät wird. Denn nun muss sich der Führer der Linken im Zweikampf mit einem messen, der die Moderaten und die Milliarden Bloombergs geschlossen hinter sich hat.

Quelle: ots/Mittelbayerische Zeitung
#mehrNachrichten
Back To Top