Donnerstag, 13 Aug 2020
Foto: Arbeitgeberverband Gesamtmetall / CC BY 2.0 via Flickr
 2-3 Minuten Lesezeit  406 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Die Bundeswehr hat im vergangenen Jahr 1679 Soldatinnen und Soldaten eingestellt, die bei Dienstantritt noch nicht volljährig waren. Dies war ein deutlicher Rückgang um etwas mehr als 20 Prozent gegenüber dem Rekordjahr 2017, als die Truppe mit 2128 so viele Minderjährige wie noch nie ausgebildet hatte.

Flüchtlingsheim in Köpenick
Foto: Fridolin freudenfett / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Das ist unprofessionell

Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf Zahlen des Bundesverteidigungsministeriums. Der seit fünf Jahren anhaltende Aufwärtstrend wurde damit erstmalig gestoppt. Waren es 2013 erst 1152 minderjährige Rekruten, stieg die Zahl danach kontinuierlich (2014: 1463, 2015: 1515, 2016: 1908, 2017: 2128 Minderjährige).

Im vergangenen Jahr befanden sich unter den Minderjährigen nach Ministeriumsangaben 313 junge Frauen. Nach dem Absolvieren ihrer sechsmonatigen Probezeit seien 60 Prozent der 17-jährigen Rekruten volljährig gewesen. Der Anteil der Minderjährigen an den insgesamt 20.012 eingestellten Soldaten sank 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 9,1 auf 8,4 Prozent. Gründe für den Rückgang nannte das Verteidigungsministerium nicht. Eine Sprecherin sagte: "An der Einstellungspraxis der Bundeswehr hat sich nichts geändert." Nach Ansicht der Linken hat die öffentliche Kritik der vergangenen Jahre Wirkung gezeigt. Dies habe sicher "so manche Jugendliche oder deren Eltern von der Idee wieder abgebracht", sagte der kinder- und jugendpolitische Sprecher der Linken-Fraktion, Norbert Müller, der "NOZ". Ein weiterer Grund könnte sein, dass auch Arbeitgeber mit einem ähnlichen Anforderungsprofil nachgelegt hätten, etwa die Bundespolizei oder der Zoll. Müller fordert einen generellen Anwerbestopp für Minderjährige, weil der Jugendschutz in einer Kaserne nicht gewährleistet sei: "In dem Alter dürfen junge Menschen in der Regel weder wählen noch Autofahren, aber ausgerechnet die militärische Ausbildung wollen wir ihnen erlauben." Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hans-Peter Bartels, begrüßte die rückläufige Entwicklung und sagte der "NOZ": "Der Trend geht in die richtige Richtung." Zugleich mahnte er: "Die Einstellung von Minderjährigen in der Bundeswehr muss die Ausnahme bleiben und darf nicht zur Regel werden." Der SPD-Politiker verwies darauf, dass in den Wehrpflichtzeiten laut Grundgesetz erwachsene, mündige Staatsbürger in Uniform zum Wehrdienst verpflichtet waren, mindestens 18-Jährige: "Diesen Maßstab sollte die Regierung immer im Auge behalten", betonte Bartels.

Bewerber für die Bundeswehr müssen mindestens 17 Jahre alt sein, die Zustimmung der Eltern haben und eine sechsmonatige Probezeit absolvieren. Die 17-Jährigen sind nicht so einsetzbar wie andere Soldaten, sie dürfen weder für den Wachdienst eingeteilt werden noch an Auslandseinsätzen teilnehmen und Waffen nur zu Ausbildungszwecken benutzen. Die Ministeriumssprecherin betonte: "Die bestehende Rekrutierungspraxis der Bundeswehr steht damit in vollem Einklang mit den völkerrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands."



Quelle: ots/Neue Osnabrücker Zeitung


#mehrNachrichten
Gregor Gysi
Foto: Bundesarchiv, Bild 183-1990-1124-012 / Grubitzsch (geb. Raphael), Waltraud / CC BY-SA 3.0 DE

Ich hätte 1989 Nein sagen sollen, Politiker zu werden

Gregor Gysi führt seine Herzinfarkte auf den Stress und die Anfeindungen gegen ihn als Linken-Politiker zurück. "Hätte ich gewusst, was alles auf mich zukommt, hätte ich im Dezember 1989 Nein sagen...
Das Bundesumweltministerium will sowohl das Bundesnaturschutz- als auch das Wasserhaushaltsgesetz reformieren.

Insektenschutzgesetz: Ministerium will Gewässerrandstreifen und weniger Lichtverschmutzung

Das Bundesumweltministerium hat Reformvorschläge zum stärkeren Schutz von Insekten vorgelegt. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" unter Berufung auf den Referentenentwurf zum sogenannten...
Die Bundesregierung hat Angst vor der Macht der Kommunen.
Foto: Michael Lucan / CC-BY-SA 3.0 de (via Wikimedia Commons)

Seehofers Blockaden

Horst Seehofer hat Berlin nun offiziell das dort beschlossene Landesaufnahmeprogramm für 300 notleidende Geflüchtete, die in griechischen Elendslagern festsitzen, verboten. Der Mann, der Kreuze in...
Europa muss auch sicherheitspolitisch einen Mehrwert produziert. Dies ist eine der großen Zukunftsaufgaben.

Akut einsturzgefährdet

Donald Trump spielt wieder die deutsche Karte. Man täusche sich nicht: Der US-Präsident mag zwar wie von allen guten Geistern verlassen durch die Corona-Krise irren, doch am sicheren Gespür für die...
Die Betroffenen müssen Deutschland verlassen und dürfen nicht wieder einreisen. Kommen sie der Aufforderung nicht nach, kann eine Abschiebung folgen.
Foto: Ahmad Ardity

Zahl der Ausweisungen von Ausländern drastisch gestiegen

Die Zahl der Ausweisungen ist im vergangenen Jahr drastisch gestiegen. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) unter Berufung auf eine Antwort der Bundesregierung auf Anfrage der Linken-Fraktion...
"Es ist keine Option, nichts zu tun und wegzuschauen", sagte Asselborn nach der dritten blutigen Protestnacht in Minsk.
Foto: EU2017EE Estonian Presidency / CC BY 2.0 (via Wikimedia Commons)

Luxemburgs Außenminister fordert von EU mehr "Druck auf Lukaschenko"

Vor der für Freitag geplanten außerplanmäßigen Videokonferenz der EU-Außenminister hat Luxemburgs Chefdiplomat Jean Asselborn eine deutliche Reaktion der EU angesichts des umstrittenen Wahlsiegs des...
Die Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibetrag nützt denen am wenigsten, die sie am dringendsten brauchen
Foto: Rosa Luxemburg-Stiftung / CC BY 2.0 (via Flickr)

Anrechnung des Kindergeldes auf Hartz IV stoppen

Die Vorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, hat die Pläne der Bundesregierung kritisiert, das Kindergeld und den Kinderfreibetrag ab 1. Januar 2021 zu erhöhen, und die Forderung nach einer...
Back To Top