Dienstag, 11 Aug 2020
Joachim Gauck und Frauke Petry - reden mit denen, die anders denken.
Joachim Gauck und Frauke Petry - reden mit denen, die anders denken. Foto: ZDF / Stephan Lamby
 2-3 Minuten Lesezeit  533 Worte im Text  Vor mehr als einem Jahr

Die deutsche Wiedervereinigung war ein Glücksfall der Geschichte – doch wie gut haben wir die Chance genutzt? 30 Jahre nach dem Mauerfall macht sich Joachim Gauck auf die Suche nach der Einheit. Wie nah sind sich die Deutschen in Ost und West gekommen, welche Vorurteile und Missverständnisse trennen sie? Auf einer außergewöhnlichen Reise trifft Joachim Gauck prominente Zeitzeugen – dankbare und zuversichtliche, aber auch wütende und enttäuschte.

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Foto: Jamie Coupaud

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Die Folgen der Teilung sind bis heute spürbar. Trotz "Aufbau Ost", Solidaritätszuschlag und milliardenschwerer Transfers hinkt der Osten wirtschaftlich hinterher. Auch bei den Wahlergebnissen drückt sich die Ungleichheit in Zahlen aus: Politisch entwickeln sich die neuen und die alten Bundesländer unterschiedlich. War es in den ersten Nachwendejahren noch die PDS (und später die Linke), die als "Protestpartei" Erfolg hatte, sind die Wahlergebnisse der AfD im Osten nun besonders hoch.

Joachim Gauck trifft prominente Zeitzeugen wie Lothar de Maizière, der als letzter Regierungschef der DDR den Einigungsvertrag mit verhandelt hat, und Marianne Birthler, ehemalige Bürgerrechtlerin und später die Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde. Auf seiner Reise begegnet Gauck auch Menschen, die für die aktuelle Angst vor Einwanderern und für das wachsende Misstrauen gegenüber Politikern vor allem in Ostdeutschland stehen – wie René Jahn, Mitgründer von Pegida, und Frauke Petry, die ehemalige Sprecherin der AfD. Ist die Wiedervereinigung für sie eine Erfolgsgeschichte? Wie beurteilen sie den Stand der deutschen Einheit?

Bei der Begegnung mit Frauke Petry stoßen nicht nur zwei erfolgreiche Ost-Biografien aufeinander, sondern auch zwei äußerst unterschiedliche politische und weltanschauliche Orientierungen. Wenn Petry im Gespräch behauptet, das Volk sei einer politischen Elite ohnmächtig ausgeliefert, so hält Gauck vehement dagegen, da für ihn doch gerade Petrys Werdegang das genaue Gegenteil beweist.

Für Joachim Gauck ist dies auch eine persönliche Bilanz: Er hat die Einheit wie nur wenige Deutsche erlebt und geprägt – erst als Pastor in Rostock 1989/90, dann als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde, schließlich als Bundespräsident. Seine eigene Familiengeschichte steht für die schmerzhaften Folgen der deutsch-deutschen Trennung: Drei seiner vier Kinder verließen noch vor der Wende die DDR – damals galt das als Schritt ohne Wiederkehr. Im Film besucht er 30 Jahre später mit seinem Sohn Christian den Ort des Abschieds. Am Rostocker Bahnhof blicken beide zurück, und lange verdrängte Gefühle brechen sich Bahn.

Archivmaterial versetzt die Zuschauer in eine turbulente Zeit zurück: Innerhalb kürzester Zeit kam es in den Wendejahren zu "grundstürzenden Veränderungen", wie sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble im Gespräch mit Joachim Gauck erinnert. Doch im Film geht es auch um das, was danach kam – bis hin zu ausländerfeindlichen Ausschreitungen und dem Aufkommen von Pegida in Sachsen.

Sendetermine
Dienstag, 9. April 2019, 20.15 Uhr, ZDF

ZDFzeit
30 Jahre Mauerfall – Joachim Gaucks Suche nach der Einheit

Film von Stephan Lamby und Florian Huber

Kamera: Knut Muhsik, Peter Petrides, Erasmus De Grande
Produktion: Eco Media
Redaktion: Udo Frank
Leitung der Sendung: Ursula Schmidt
Länge: ca. 45 Minuten

Eine 75-Minuten-Fassung der Dokumentation sendet ZDFinfo
am Donnerstag, 4. April 2019, 20.15 Uhr
am Dienstag, 9. April 2019, 1.15 Uhr
am Mittwoch, 10. April 2019, 9.00 Uhr.

Die 45-minütige ZDF-Dokumentation sendet phoenix am Donnerstag, 11. April 2019, 21.00 Uhr.

phoenix greift das Thema der Dokumentation am selben Abend zudem in einer Gesprächssendung auf.


Quelle: ZDF
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