Donnerstag, 09 Jul 2020
  • Wer täglich Bahn fährt, weiß: Es läuft noch nicht alles rund bei diesem Unternehmen. An der Pünktlichkeit des Systems Bahn gibt es noch einiges zu tun. Nach wie vor fahren Züge auf stark befahrenen Strecken, die in den 1990er Jahren gebaut wurden. Die technischen Macken im Alltagsbetrieb nehmen zu, der Service in gleichem Maße zurück.

  • Die Deutsche Bahn stellt endlich ihre Weichen in die richtige Richtung. Statt zu sparen, wird investiert - und zwar kräftig. 156 Milliarden Euro will der Staatskonzern bis 2030 in den Ausbau und die Modernisierung seines Schienennetzes stecken, das teils noch mit Gleisen aus der Kaiserzeit bestückt ist. Die Investition ist mehr als überfällig und Voraussetzung, um die Bahn pünktlicher und leistungsfähiger - und damit auch für noch mehr Kunden attraktiver zu machen. Bleibt zu hoffen, dass das Geld an den richtigen Stellen eingesetzt wird und auch die Kunden schnell Verbesserungen spüren.

  • Die Aufregung um die ICE-Fahrt von Greta Thunberg zeigt das ganze Elend der deutschen Klimadebatte auf. Der Twitter-Tweet vom überfüllten Zug ist ein Beleg dafür, dass hierzulande noch nie so viele Bürger mit der relativ umweltfreundlichen Bahn unterwegs waren, doch das Unternehmen und sein Eigentümer, der Bund, mit der fürs Klima erfreulichen Entwicklung völlig überfordert sind. Doch die Bahn will über solche Probleme nicht nachdenken und weist wieder mal auf den vermeintlichen Einsatz von 100 Prozent Ökostrom hin, was leider nur Greenwashing ist. Und auch die am Montag nachgereichte Ankündigung einer Milliardenbestellung für neue Fernzüge ist eher peinlich - frühestens in einem halben Jahrzehnt könnte es damit losgehen.

  • Vor der Vorstellung der Bahn-Bilanz an diesem Donnerstag (28.3.) haben die Grünen eine Pünktlichkeits-Garantie von Konzernchef Richard Lutz verlangt: "Wir fordern die Deutsche Bahn auf, ihren Fahrgästen ein ernsthaftes Pünktlichkeitsversprechen zu geben. 2030 sollen 97 Prozent der Züge ihr Ziel pünktlich erreichen - das ist realistisch und angemessen", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Dafür braucht es eine ordentliche Finanzspritze durch den Bund, um das Schienennetz auszubauen, mehr Züge aufzugleisen und mehr Fachleute einzustellen." Kurzfristig müssten die Ausgaben für die Bahn verdoppelt, "mittelfristig eher vervierfacht werden", sagte Hofreiter.

  • Zwei Drittel der Deutschen waren jüngst im ZDF-Deutschlandtrend der Meinung, dass Fliegen teurer werden sollte, um die klimaschädliche Vielfliegerei einzudämmen. Das ist eine erfreulich klare Mehrheit. Klimaschutz fängt mit der Erkenntnis an, dass sich grundsätzlich etwas ändern muss im Mobilitätsverhalten. Mal eben nach Mailand zu fliegen, nur um sich neue Schuhe zu kaufen, das sollte es nicht mehr geben. Wenn es aber um das tatsächliche Verhalten jedes Einzelnen geht, ist der Weg zum wirksamen Klimaschutz noch weit: Seit es die Protestbewegung "Fridays for Future" gibt, sind die Starts von deutschem Boden sogar weiter gestiegen.

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